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  DIE  WETTE

AUSKÜNFTE

PARKILUST
Rot signalisiert Kraft, Energie, Liebe, Wärme, Leidenschaft, Aggression, Gefahr

PARKIKULTUR
Die Wette
Eine belegte Frau
Mustertücher
D-Day

PARKISPOTT
Gelb bedeutet Optimismus, Hoffnung, Philosophie, Unehrlichkeit, Feigheit, Neid, Betrug

PARKIPRAXIS
Grün vertritt Natur, Erde, Gesundheit, Glück, Eifersucht, Erneuerung, Geld

PARKISINN
Violett symbolisiert Spiritualität, Geheimnis, Königlich, Macht, Transformation, Grausamkeit, Arroganz, Homosexualität

Kurzfassung für Nichtleser:
Eine Hommage an meine Münchner Rentnerinnengang im Westbad, die ich nach Verlagerung meines Hauptwohnsitzes von München in den Taunus sehr vermisse. Zum Glück habe ich noch mehr als einen Koffer in München

 

Text für Lesefreudige:

Scheinbar lässig lehnte Lilly an einer alten Buche vor dem Eingang des Sommerbades und wartete auf Maja. Die sie keineswegs anhimmelnden männlichen Blicke nahm sie ungerührt nicht zur Kenntnis. Dies war keine leichte Übung für sie, weil ehrlicherweise sind grauhaarige Frauen keineswegs immer geschlechtslose Wesen gewesen und es war für Lilly eines der Übel ihres Alters, dass die begehrlichen Blicke der Männer nicht mehr ihr, sondern allenfalls einer der kichernden Schülerinnen in der Warteschlange vor dem Bad galten.

 Sonnenhungrig enteilte Maja mit schnellen Schritten dem häuslichen Chaos. Sie war wild entschlossen ihre Sommergeilheit heute auszuleben. Gegen verstaubte Wohnungen halfen schließlich auch heruntergelassene Jalousien und das schlechte Gewissen konnte sie schon immer mühelos vergessen. Außerdem wollte sie die Folgen des gestrigen Tages miterleben. Den Gewinn ihrer Wette würde sie sich doch nicht entgehen lassen.

 Am Kassenautomat reihten die beiden Freundinnen sich brav in die Schlange der kichernden Schülerinnen ein, die unter den wachsamen Augen des Bademeisters hinein ins Freibad strömten. Kiosk und Schwimmbecken links liegen lassend, strebten die beiden Weibsen zielbewußt am Bolzplatz vorbei auf einen mehr als mannshohen, sonnengebleichten Holzzaun zu.  Ein Schild mit der Aufschrift „Damen-FKK – Eintritt unter 16 Jahren verboten“ war an einem Sichtschutz angebracht, der ein leise knarrendes Tor bewachte.  Die um die Aufmerksamkeit der schnatternden Girlies balzenden halbstarken Fußballspieler hinter sich lassend, betraten die beiden Freundinnen eine von alten Bäumen und Hecken umsäumte Wiese.

 Zwischen den Bäumen waren Seile gespannt, an denen ordentlich mit Wäscheklammern befestigte Kleider in gedeckten Farben flatterten. Von dem quirligen Treiben vor dem Zaun war hier nichts zu spüren und selbst die Geräusche des sommerlichen Freibadbetriebes wurden scheinbar von den Holzlatten zurückgedrängt. Allen Männerblicken entzogen war hier am Rande eines Freibades von der Mehrheit der Besucher nicht beachtet eine Oase  zum Träumen und Seelebaumeln entstanden.  In dieses Refugium einer vom Zufall geformten Rentnerinnengang verirrte sich selten ein fremdes Gesicht und zwischen den Frauen herrschte eine schamlose Vertrautheit, wie sie nur der fehlende gemeinsame Alltag und viele gemeinsam in der Sommersonne nacktgebadete Stunden hervorbringen kann.

 Lina stand mit der hängenden Wucht ihrer sägebrechtschen Formate und frisch ondulierten silbrigen Löckchen  wie ein alter knotiger Baum mitten auf der Wiese und schilderte der rothaarigen Eva gerade in allen Einzelheiten das lustvolle Ende ihres Achtzigsten, den sie statt im Kreise der Familie lieber mit einem Kurschatten gefeiert hatte, als Lilly und Maja den Vorhang aus weiblichen Kleidungsstücken öffneten.  „Hast wenigstens du deinen Sekt dabei? Eva ist sich so sicher, dass unser Nachhilfeunterricht vergeblich war, dass sie  ihren Wetteinsatz zu Hause gelassen hat. Aber ich habe vorsorglich noch meine Geschenkkörbe geplündert, so dass wir auf jeden Fall feiern können, von mir aus gleich!!“ Hilde blickte kurz von ihrer Fußmaniküre hoch, verkniff sich aber jeden Kommentar. Gertrud murmelte irgendetwas Unverständliches unter ihrer Schönheitsmaske. Rosa und Hermine verkündeten unisono „Erst muss unser Kreuzworträtsel gelöst sein. Vorher gibt es keinen Grund zu feiern.“

 Eingehüllt vom Duft des trocknenden, frischgemähten Grases und die leichte Kühle der Erde unter ihrem Bauch genießend, spürte Maja die wärmende Sonne auf ihren nackten Pobacken. Sie lauschte den über ihr durch die Bäume huschenden  Eichhörnchen und wie immer an diesem für sie so magischen Ort, verschwand der Alltag in sekundenschnelle im Nirwana der Unwichtigkeiten und eine entspannte Gelassenheit breitete sich in ihr aus. Lilly kniete sich neben sie auf die Wiese und begann mit sanften festen Händen ihren Rücken mit Sonnencreme einzumassieren. „Du glaubst wirklich, dass ich eine Chance gegen die jungen Dinger da draußen habe? Maja, ich bin zwar kurzsichtig, aber ich seh doch noch, was mir mein Spiegel zeigt und glaub ja nicht, dass Georg mich bisher richtig bemerkt hätte! Für den bin ich doch nur eine alte Bekannte und keine Frau. Und behaupte bloß nicht, dass meine Orangenhaut und meine schlaffen Oberarme sexy wären und dass ich im Minikleidchen mit so einem jungen Gemüse da draußen konkurrieren kann." - "Lilly, es gibt keinen Kerl der das sieht, wenn du ihn überrumpelst. Egal was du tust, sei einfach nur ein aktives, weibliches Überraschungsei und versuch bitte erst gar nicht die Jugendlichkeit mit Scheinjugendlichkeit schlagen zu wollen!  Ich wette mit dir, du müsstest nur eine einzige königsblaue Strähne im Haar haben, und schon würdest du nicht nur in den Augen dieses mir sehr gleichgültigen Georgs von einem geschlechtslosen Neutrum zu einem Vollweib mit Erfahrung mutieren.“

 Maja war fast eingenickt unter den streichelnden und sanft die Sonnencreme einmassierenden Händen von Lilly, als ein durch das Laub der alten Buche krachender Fußball schlagartig die träge Entspanntheit der friedlichen Runde zerstörte. Alle Blicke richteten sich gespannt auf den Eingang.  Der Bademeister, wunderte sich über die ihm vorgebrachte Bitte, aber er machte sich umgehend auf den Weg zum Damen-FKK.  Als er durch das Tor kam um den entfleuchten Fußball für die Jungs zu bergen, empfing ihn ein lautes weibliches Gelächter. „Mädels, was habt ihr bloß angestellt, dass die Jungs mich jetzt rufen, wenn ihr Fußball sich hierher verirrt?“ „Viele Jäger sind des Hasen Tod oder anders gesagt, viele alte Weiber schaffen locker einen jungen Mann.“ grinste Maja ihn an „Schau wir waren es einfach leid, dass die Jungs laufend Fußbälle zu uns herein geschossen haben. Gestern war es mal wieder besonders schlimm. Ständig verschossen sich die Ballkünstler und immer wieder kam einer mit großen Augen rein um uns, unsere Falten, Narben und Brüste zu begaffen.  Wir sind aber Frauen und keine Ausstellungsstücke für pubertierende Jungs.  Deshalb haben wir gemeinsam einen der Kerle abgefangen, ihn festgehalten und ihm erklärt, dies sei ein FKK-Bereich in dem sich jeder unbekleidet zu bewegen habe. Er dürfe gerne auch künftig hereinkommen, aber nur nackt. Dann haben wir ihm die Badehose ausgezogen und diese über den Zaun nach draußen geworfen. Es scheint die Lektion wurde begriffen.“

 Kalter Sekt in der warmen Sommersonne getrunken ist zwar ziemlich berauschend, aber es war keineswegs der Alkohol, der Lilly am Spätnachmittag dieses Tages veranlasste, die ihr von Maja vorgeschlagene Wette anzunehmen.  Sie hatte immer noch ernste Zweifel, ob eine  einzige breite, königsblaue Strähne in ihrem grauen Haar sie wieder zu einer begehrten Frau würde werden lassen, aber erstens war Maja eine Wettkönigin und zweitens wie heißt es so schön „Pech im Spiel – Glück in der Liebe“

 

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Copyright by Birgitta Baur Stand vom 10.04.2008