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Scheinbar lässig lehnte
Lilly an einer alten Buche vor dem Eingang des
Sommerbades und wartete auf Maja. Die sie
keineswegs anhimmelnden männlichen Blicke nahm
sie ungerührt nicht zur Kenntnis. Dies war
keine leichte Übung für sie, weil
ehrlicherweise sind grauhaarige Frauen
keineswegs immer geschlechtslose Wesen gewesen
und es war für Lilly eines der Übel ihres
Alters, dass die begehrlichen Blicke der Männer
nicht mehr ihr, sondern allenfalls einer der
kichernden Schülerinnen in der Warteschlange
vor dem Bad galten.
Sonnenhungrig
enteilte Maja mit schnellen Schritten dem häuslichen
Chaos. Sie war wild entschlossen ihre
Sommergeilheit heute auszuleben. Gegen
verstaubte Wohnungen halfen schließlich auch
heruntergelassene Jalousien und das schlechte
Gewissen konnte sie schon immer mühelos
vergessen. Außerdem wollte sie die Folgen des
gestrigen Tages miterleben. Den Gewinn ihrer
Wette würde sie sich doch nicht entgehen
lassen.
Am Kassenautomat
reihten die beiden Freundinnen sich brav in die
Schlange der kichernden Schülerinnen ein, die
unter den wachsamen Augen des Bademeisters
hinein ins Freibad strömten. Kiosk und
Schwimmbecken links liegen lassend, strebten die
beiden Weibsen zielbewußt am Bolzplatz vorbei
auf einen mehr als mannshohen, sonnengebleichten
Holzzaun zu.
Ein Schild mit der Aufschrift „Damen-FKK
– Eintritt unter 16 Jahren verboten“ war an
einem Sichtschutz angebracht, der ein leise
knarrendes Tor bewachte.
Die um die Aufmerksamkeit der
schnatternden Girlies balzenden halbstarken Fußballspieler
hinter sich lassend, betraten die beiden
Freundinnen eine von alten Bäumen und Hecken
umsäumte Wiese.
Zwischen den Bäumen
waren Seile gespannt, an denen ordentlich mit Wäscheklammern
befestigte Kleider in gedeckten Farben
flatterten. Von dem quirligen Treiben vor dem
Zaun war hier nichts zu spüren und selbst die
Geräusche des sommerlichen Freibadbetriebes
wurden scheinbar von den Holzlatten zurückgedrängt.
Allen Männerblicken entzogen war hier am Rande
eines Freibades von der Mehrheit der Besucher
nicht beachtet eine Oase
zum Träumen und Seelebaumeln entstanden.
In dieses Refugium einer vom Zufall
geformten Rentnerinnengang verirrte sich selten
ein fremdes Gesicht und zwischen den Frauen
herrschte eine schamlose Vertrautheit, wie sie
nur der fehlende gemeinsame Alltag und viele
gemeinsam in der Sommersonne nacktgebadete
Stunden hervorbringen kann.
Lina stand mit der
hängenden Wucht ihrer sägebrechtschen Formate
und frisch ondulierten silbrigen Löckchen wie ein alter knotiger Baum mitten auf der Wiese und
schilderte der rothaarigen Eva gerade in allen
Einzelheiten das lustvolle Ende ihres
Achtzigsten, den sie statt im Kreise der Familie
lieber mit einem Kurschatten gefeiert hatte, als
Lilly und Maja den Vorhang aus weiblichen
Kleidungsstücken öffneten.
„Hast wenigstens du deinen Sekt dabei?
Eva ist sich so sicher, dass unser
Nachhilfeunterricht vergeblich war, dass sie
ihren Wetteinsatz zu Hause gelassen hat.
Aber ich habe vorsorglich noch meine Geschenkkörbe
geplündert, so dass wir auf jeden Fall feiern können,
von mir aus gleich!!“ Hilde blickte kurz von
ihrer Fußmaniküre hoch, verkniff sich aber
jeden Kommentar. Gertrud murmelte irgendetwas
Unverständliches unter ihrer Schönheitsmaske.
Rosa und Hermine verkündeten unisono „Erst
muss unser Kreuzworträtsel gelöst sein. Vorher
gibt es keinen Grund zu feiern.“
Eingehüllt vom
Duft des trocknenden, frischgemähten Grases und
die leichte Kühle der Erde unter ihrem Bauch
genießend, spürte Maja die wärmende Sonne auf
ihren nackten Pobacken. Sie lauschte den über
ihr durch die Bäume huschenden
Eichhörnchen und wie immer an diesem für
sie so magischen Ort, verschwand der Alltag in
sekundenschnelle im Nirwana der Unwichtigkeiten
und eine entspannte Gelassenheit breitete sich
in ihr aus. Lilly kniete sich neben sie auf die
Wiese und begann mit sanften festen Händen
ihren Rücken mit Sonnencreme einzumassieren.
„Du glaubst wirklich, dass ich eine Chance
gegen die jungen Dinger da draußen habe? Maja,
ich bin zwar kurzsichtig, aber ich seh doch
noch, was mir mein Spiegel zeigt und glaub ja
nicht, dass Georg mich bisher richtig bemerkt hätte!
Für den bin ich doch nur eine alte Bekannte und
keine Frau. Und behaupte bloß nicht, dass meine
Orangenhaut und meine schlaffen Oberarme sexy wären
und dass ich im Minikleidchen mit so einem
jungen Gemüse da draußen konkurrieren
kann." - "Lilly, es gibt keinen Kerl
der das sieht, wenn du ihn überrumpelst. Egal
was du tust, sei einfach nur ein aktives,
weibliches Überraschungsei und versuch bitte
erst gar nicht die Jugendlichkeit mit
Scheinjugendlichkeit schlagen zu wollen!
Ich wette mit dir, du müsstest nur eine
einzige königsblaue Strähne im Haar haben, und
schon würdest du nicht nur in den Augen dieses
mir sehr gleichgültigen Georgs von einem
geschlechtslosen Neutrum zu einem Vollweib mit
Erfahrung mutieren.“
Maja war fast
eingenickt unter den streichelnden und sanft die
Sonnencreme einmassierenden Händen von Lilly,
als ein durch das Laub der alten Buche
krachender Fußball schlagartig die träge
Entspanntheit der friedlichen Runde zerstörte.
Alle Blicke richteten sich gespannt auf den
Eingang. Der
Bademeister, wunderte sich über die ihm
vorgebrachte Bitte, aber er machte sich umgehend
auf den Weg zum Damen-FKK.
Als er durch das Tor kam um den
entfleuchten Fußball für die Jungs zu bergen,
empfing ihn ein lautes weibliches Gelächter.
„Mädels, was habt ihr bloß angestellt, dass
die Jungs mich jetzt rufen, wenn ihr Fußball
sich hierher verirrt?“ „Viele Jäger sind
des Hasen Tod oder anders gesagt, viele alte
Weiber schaffen locker einen jungen Mann.“
grinste Maja ihn an „Schau wir waren es
einfach leid, dass die Jungs laufend Fußbälle
zu uns herein geschossen haben. Gestern war es
mal wieder besonders schlimm. Ständig
verschossen sich die Ballkünstler und immer
wieder kam einer mit großen Augen rein um uns,
unsere Falten, Narben und Brüste zu begaffen.
Wir sind aber Frauen und keine
Ausstellungsstücke für pubertierende Jungs. Deshalb haben wir gemeinsam einen der Kerle abgefangen, ihn
festgehalten und ihm erklärt, dies sei ein
FKK-Bereich in dem sich jeder unbekleidet zu
bewegen habe. Er dürfe gerne auch künftig
hereinkommen, aber nur nackt. Dann haben wir ihm
die Badehose ausgezogen und diese über den Zaun
nach draußen geworfen. Es scheint die Lektion
wurde begriffen.“
Kalter Sekt in der warmen Sommersonne getrunken ist zwar ziemlich
berauschend, aber es war keineswegs der Alkohol,
der Lilly am Spätnachmittag dieses Tages
veranlasste, die ihr von Maja vorgeschlagene
Wette anzunehmen.
Sie hatte immer noch ernste Zweifel, ob
eine einzige
breite, königsblaue Strähne in ihrem grauen
Haar sie wieder zu einer begehrten Frau würde
werden lassen, aber erstens war Maja eine Wettkönigin
und zweitens wie heißt es so schön „Pech im
Spiel – Glück in der Liebe“
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