Guten morgäääääääääähn, Frau
Lieblingsnachbarin,
wenn Sie mich anschauen würden können, würden
Sie wahrscheinlich finden, dass ich ein
hinterfotziges Grinsen im Gesicht habe. Und weil
Sie damit nicht Unrecht hätten, bekommen Sie
jetzt halt an ausführlichen Brief Frau Nachbarin.
Wie heißt es so schön bei uns Schwaben Eine alte Liebe rostet nicht, aber schimmlig kann
sie schon werden. Und ich denk mein
Schneckerich hat den Satz glatt vergessen gehabt.
Schauet Sie Frau Nachbarin, ich weiß ich bin
wirklich kein vorbildlichee Eheweib, aber ich bemüh
mich redlich meinem Herrn Gemahl alles recht zu
machen. Aber dass ich a Weib bin, heißt ja noch
lang nicht, dass ich bloß, weil mein Mann mir was
anschafft, ich mein Kopf ausschalte. Und wenn er
mir was anschafft, was seine eigenen Interessen zu
widerläuft, dann hab ich ihn halt immer
freundlich drauf hingewiesen, dass ich ihm seinen
Wunsch zwar schon erfülle dät, aber dass ich ihm
raten würde des noch mal zu überdenken, da es
nach meinere Ansicht für ihn selbstschädigend wäre.
Ich hab des gewiß nicht bös gmeint, weil auch
der beste Bauer pflügt ab und an eine krumme
Furche Allerdings mein
Mann fand des früher zwar sehr schön eine
mitdenkende Frau daheim zu haben, aber in letzter
Zeit hat er immer öfter gemeint der Ehestand isch
eine Prozession, bei der man das Kreuz vorweg
trägt .Und
vorgestern da hat er gsagt, wenn der Herrgott
seine Gebete erhören würde, dann hätte er ein
braves und folgsames Schneckle daheim und keine
solche Krawallschnecke wie ich eine bin.
Miese Geschäftle machen und schlecht heirate kann
man jeden Tag und weil mein
Mann so sehr nach einer braven Schnecke verlangt
hat, hab ich ihm halt den Wunsch erfüllt. Gestern
hat er beim Frühstück gesagt, dass es nichts schöneres
geben würde als ein englisches Frühstück und
wenn er sich was wünschen würde, dann wäre es
einmal so umsorgt zu werden wie ein englischer
Lord von seinem Butler oder besser noch von einer
reizenden Zofe. Ein Leben als frühstückender
Lord, des könnte er tagelang genießen, hat er
dann noch gemeint. Ich glaube Sie müssen mich gar
nicht erst fragen, was ich dann gemacht hab,
gelle?
Ich hab kein einziges Wort von wegen selbstschädigendem
Verhalten und so gesagt. Ich war die brävste
Schnecke aller Zeiten. Sein Wunsch war mir Befehl
und ich hab nix mit ihm rumdiskutiert. Ich war so
brav, ich war mir gleich selber fremd. Ich bin den
ganzen Tag durch des Städtle gelaufen und hab
alles notwendige besorgt. Des war fei gar nicht so
einfach hier englische Zeitungen zu bekommen.
Mei, Sie hätten des Gesicht von meinem
Schneckerich sehen sollen, als er abends geschafft
von der Ärbeit heimkommen isch und er sich schon
auf sein gewohntes Vesper mit einem guten
Tettnanger Kronenbier und einem Kräuterkäse
eingestellt hat und ihn statt meiner einiger eine
Zofe empfing. Ich denke es hat ihn sehr gefreut,
dass ich in diese Rolle geschlüpft bin. Wisset
Sie mein Mann mag ja weder Tee noch Müsli, aber
ich glaub trotzdem fand er es schön so ein
englisches Frühstück zum Abendessen zu bekommen.
Ich meine, er hat nachdem Abendessen zu mir
gesagt, dass er des Spiel jetzt beenden will. Aber
er kann ja kein Englisch und woher sollte ich als
englischsprechende Zofe sein schwäbisch verstande.
Daher habe ich ihm heute morgen wieder ein
englisches Frühstück ins Bett serviert, so mit
mehrere Sorten Tee, frischpresstem Orangensaft,
Porridge und Ham and Eggs und frisch gebügelten
englischen Zeitungen, perfekter hätt des auch
kein englischer Butler machen können.
Aber Frau Nachbarin, man soll es nicht glauben,
nicht nur Frauen auch Männer sind lernfähig.
Vorhin hab ich meinen Holden belauscht wie er
geseufzt hat "Wenn dÒchs koin Schwanz mehr
hatt, dann weiß er erscht für was der gut war
und ich Hornochs hät am liebschten meine
Krawallschneck wieder!
Eine fröhlich grinzende
Serpentina
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