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Kurzfassung für Nichtleser:
Serpentina ist genervt von der Organisation des Frankfurter Wolkenkratzerfestivals

 

Text für Lesefreudige:

Dictionnärle

sellem jenem

amol einmal

dät würde

it nicht

Meine liebste Frau Nachbarin,

was haben Sie damit gemoint, als Sie gesaid habet, dass Sie sich Sorgen um mich machen würdet? Ach, alles nur weil ich droht hab, den Kerl zu derschlagen, der die Seite zur Kartenvergabe von sellem  Wolkenkratzerfestival in Frankfurt programmiert hat ? Natürlich bin ich so stinkig, dass an reifer Backsteinkäse a mildes Frühlüngslüftle isch dagegen. Wieso? Also Frau Nachbarin , machet Sie amol ihre Augen zu und denket an mich - was sehen Sie da? A  mittelalterliches Weib, nimmer ganz knusprig, a bissele zu rund und zittrig wie ein Wackelpudding. Und zittrig bin ich it etwa weil ich gerne als Barfrau arbeiten dät oder weil ich wütend bin, sondern weil ich gesundheitlich lädiert bin. Sie kennet mich jetzt ja scho a ganzes Weile, sie wissen doch, dass ich mehrmals am Tag zitter, dass mein Mann im Bett neben mir seekrank wäre dät, wenn er it beim schaffe wäre.

Dictionnärle

hän habe

ebber jemand

Man hat es schwer leicht zu leben wenn man es schwer hat oder glaubet Sie etwa, dass des leicht isch sich wie ein Ganzkörpervibrator durchs Internet und durchs Leben zu zittern. Es gibt so vieles, was ich nimmer machen kann und so hab ich mich schon sehr gefreut, als ich von dem Wolkenkratzerfestival gehört hän. Weil für mich heißt so ein Blick von so einem Turm, dass ich was von einer Welt erblicken kann, die zu erlaufen mein Kraft nimmer reicht. Ich find es it richtig wenn die Kranken sich vordrängle, aber schön isch des fein nicht, wenn die Gesunden auch kein Gedanken dran verschwenden wie ebber Kranker sich über die Hürden schleppt wo ein Gesunder locker drüber hüpft.

Dictionnärle

oin einen

 

Des dass ich heute morgen nur mit Krämpfen und vor Schmerzen heulend auf die Homepage von dem Radiosender da hab komme könne, dafür könnet die nix und dass so viele Leut desselbe wollen haben dafür auch nicht. Das die aber ein Kartenvergabeverfahren gewählt hän, wo wenn man einmal drinn war, man wieder nausgeschmissen wurde wenn man sich Tickets rausgesucht die als verfügbar da standet, die aber doch schon vergeben waren, des hat mich fertig gemacht. Des war grad a so, als ob ein Kellner bei jedere Bestellung die man macht erst mal schaut ob es des no gibt und wenn’s aus isch schmeißt er oin aus dem Lokal naus und man muss wieder in die Warteschlange stehen ums nächste Gericht auf der Speisenkarte bestellen zu können. So was isch schon für Leut mit gesunden Füßen läschtig, aber für jemand der wie ich nicht richtig laufen und standen kann isch des nicht machbar. Ich war dreimal drinn, dreimal han ich versucht zu bestellen und dreimal bin ich wieder nausgeschmissen worden, jetzt han ich die Kraft nimmer für ein vierten Versuch und bis heut abend wenn ich wieder Kraft dafür hätt, da dürften die Karten weg sein. Könnet Sie jetzt verstehen warum ich vorher am Telefon so laut geschimpft han und gsagt hab, dass ich den Kerle da derschlagen könnt?

Aber Frau Nachbarin man sagt viel wenn der Tag lang isch und sie müssen nicht glauben dass ich des wirklich tun dät. Und den Kerle da erschlagen? Überlegen Sie doch mal, ob die Folgen wirklich des wären was mir gefallen dät. Wenn i den Kerl erschlagen dät, dann käm er zwar in Himmel, aber er könnt nächstesmal nix besser machen, ich käm in Gefängnis und damit auf gar keinen Fall auf so ein Wolkenkratzer nauf und sie Frau Nachbarin, würden von mir keine Briefe aus dem Cyberspace mehr bekommen. Also lass ich des mit dem Derschlagen bleiben, aber stinkig sein darf ich doch.

Viele liebe Grüße von Ihrer jetzt schon nicht mehr ganz so frustigen

Serpentina

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Copyright by Birgitta Baur Stand vom 10.04.2008